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Netto Entgeltoptimierung

Ein Interview mit Andreas Finger, Fa. Abraxas

Was bedeutet Netto Entgeltoptimierung ? Man muss sich das so vorstellen:

Heutzutage muss jeder Unternehmer planen wie, wo, was und wie viel er an Kosten sparen kann. Der Arbeitnehmer hingegen möchte natürlich für seine gute Leistung auch die bestmögliche Bezahlung erhalten. Nach Abzug der Steuern, der Sozialabgaben, etc. ist das Gehalt meist richtig geschrumpft. Die Entgeltoptimierung hilft dem Arbeitgeber Kosten zu sparen und dem Arbeitnehmer das Nettogehalt zu erhöhen, indem das Einkommensteuergesetz so genutzt wird, dass man Lohnbestandteile, die entweder steuer- und sozialabgabenfrei oder Sozialabgaben befreit mit einer Pauschalsteuer belegt sind, verwendet.

Markus Schleifer: Wie aufwendig bzw. kompliziert wäre diese Umstellung für die Personalabteilung, Herr Finger?
Da dies ein Dienstleister im Auftrag der Firma bearbeiten wird, hat die Personalabteilung kaum Arbeit. Der Dienstleister übernimmt sämtliche Buchungen. Die Personalabteilung bekommt einmal im Monat eine Buchungsliste, die man in jedes Buchhaltungsprogramm, wie z.B. Datev, Lexware und SAP importieren kann Der Dienstleister gibt hier sogar eine Garantie, dass der Betrieb maximal 7 Minuten pro Mitarbeiter und Jahr benötigt.

Welche Vor- und Nachteile hat dieses Lohnoptimierungsmodell?
Ein Vorteil ist, dass der Unternehmer eine eigene Intranetseite oder eine App zur Verfügung gestellt bekommt, in denen er für die Mitarbeiter einen Firmenauftritt darstellt und den eigenen Einkaufsshop mit den Einkaufsvorzügen vorstellt. Ein kleines Beispiel: Wenn der Mitarbeiter in einem Elektrogeschäft einen 1000 Euro teuren Laptop kauft, bezahlt er auch die 1000 Euro. Wenn er aber das Lohnoptimierungssystem nutzt und eine Monatsrate von ca. 50 Euro über eine Laufzeit von 2 Jahren seines Bruttolohns vereinbart, wird ihm Netto nur ca. 25 Euro auf der Hand fehlen. Somit hätte der Laptop nur 600 Euro anstatt 1000 Euro gekostet.

Nachteile sind, dass das Bruttogehalt reduziert wird, und dadurch weniger Leistungen auf der Sozialversicherung stattfinden. Aber auch hier hat der Mitarbeiter die Möglichkeit, sich freiwillig abzusichern. Hier gibt es den Weg einen Teil seiner Ersparnis als Rückendeckung in eine betriebliche Altersvorsorge oder in einen Rahmenvertrag fließen zu lassen. Wenn sich ein Arbeitnehmer lieber dafür entscheidet, die Differenz gleich Netto zur Verfügung zu haben, kann er dies natürlich auch tun, sollte aber bedenken, dass bei eventueller Krankheit oder Arbeitslosigkeit die monatlichen Lohnfortzahlungen oder das Arbeitslosengeld reduziert sein wird.

Bezahlt der Arbeitgeber das denn On-Top?
Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie z.B. eine Lohnerhöhung oder auch eine teilweise Umwandlung des Gehaltes. Dies kann in unterschiedlichen Modulen genutzt werden. Essensschecks bis zu 93 Euro, die der Mitarbeiter in vielen verschiedenen Geschäften wie z.B. Kaufland, Edeka, Bäckerei Wolf, Real und noch einigen mehr, einlösen kann. Dann gibt es noch die Wertkarte, in Höhe von 44 Euro. Dies ist wie eine Gutscheinkarte, allerdings kann man hier in mehreren Geschäften wie Douglas, diversen Tankstellen, Media Markt, etc. Waren einkaufen. Da dies aber nur als Sachbezug gelten darf, ist eine Barauszahlung leider nicht möglich.

Gibt es denn schon Firmen die dieses Konzept nutzen?
Ja, es gibt z.B. die Firma Knorr-Bremse in München. Dort haben fast alle Mitarbeiter die Lohnoptimierung umgesetzt, in Essenschecks, Wertkarte, EDV Leasing, Nutzung des Telefons und Internets und das über den Arbeitgeber.

Wie funktioniert das?
Entweder man vereinbart mit dem Arbeitgeber, dass das eigene Telefon über die Firma läuft oder der Arbeitgeber stellt dem Mitarbeiter ein Handy zur privaten Nutzung zur Verfügung. Hier gehe ich lieber nicht in Details, aber jedem Gerätenutzer empfehle ich diesen Vorteil für sich zu nutzen. Dies gilt natürlich auch für die private Internetleitung zu Hause

Kann die Wertkarte individuell gestaltet werden?
Die Gestaltung kann variiert werden, z.B. kann man für einen geringen Aufpreis das Firmenlogo auf die Karte drucken lassen. Einige Firmen setzen auch dies bereits um.

Welche finanziellen Verpflichtungen erwarten denn den Arbeitgeber?
Die Nettoentgeltoptimierung finanziert sich aus den Sozialversicherungsersparnissen des Arbeitgebers.

Meines Wissens nach nutzt die Firma Hertz Autovermietung dieses Optimierungsmodell bereits. Wie sind denn dort die Erfahrungen?
Hertz ist ja bekannterweise ein großes Unternehmen und hat diese Dienstleistung in Anspruch genommen. Dadurch konnten sie einiges an Personaleinsparung umsetzen und haben weiterhin einen reibungslosen Ablauf in der Lohn-und Gehaltsabrechnung und das mit den bereits o.g. Vorteilen.

Kann ich das so verstehen, dass dieses Konzept für den Arbeitgeber ein Bindungsinstrument ist, mit dem er sich einen kleinen Teil der Lohnnebenkosten sparen kann und der Rest an den Dienstleister geht?
Da kann man wählen. Was man sich als Arbeitgeber an Lohnnebenkosten spart, möchte man dem Arbeitnehmer zur Verfügung stellen und somit ist das Netto des Arbeitnehmers höher oder der Betrieb spart sich selber einige Kosten. Die Erfahrung zeigt, dass die Arbeitgeber die Ersparnis gerne ihren Arbeitnehmern zukommen lassen.

Ist eine private Absicherung denn dann weiterhin sinnvoll?
Sich auch privat für das Alter abzusichern ist für jeden von uns im Grunde unumgänglich, allerdings sollten diejenigen, die sich für das Modell „Jetzt mehr Netto“ entscheiden, nicht vergessen, sich auch weiterhin für evtl. Kranken- oder Rentenzeit vorzusorgen.

Geht dieses Modell auch für 450-Euro-Kräfte?
Ja, nur funktioniert das weniger über die Umwandlung sondern eher über das On-Top-Prinzip, mit dem entsprechenden Stundenausgleich.

 

Markus Schleifer – Rechtsanwalt für Arbeitsrecht